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Jugendfreizeit in Polen 2019

 

 Ein Freizeitbericht von Henrik Hösch

 

 

 

 

,,Eine Freizeit nicht von dieser Welt"

 

Am Samstagmorgen trafen wir uns alle mehr oder weniger ausgeschlafen in Dambach, um gemeinsam nach Szczyrk (sprich: Tschürk) zu fahren. Nachdem inklusive eines Nachzüglers alle da waren, ging es gut gelaunt los. Ohne viel Verkehr und über abenteuerliche Autobahnen kamen wir problemlos ans Ziel.

Pfingstsonntag stand natürlich eines auf dem Plan - Gottesdienst feiern. Allerdings auf Polnisch. Und Jan, unser Herbergsvater und Gemeindepfarrer, band uns liebevoll in den Gottesdienst ein, und wir sangen gemeinsam ein Lied auf Deutsch. Anders als hierzulande ist der Gottesdienst in Szczyrk ziemlich digitalisiert: Powerpoint statt Gesangbuch, Laptop statt Liederbuch für den Organisten. Nach dem Mittagessen ging es den Hausberg hinauf. Das Ziel: ein von Jan selbst gebauter Altar, mit Steinen aus jedem Land Europas und einem besonderen Stein, der zum ,,Running Gag" der Woche werden sollte - einem kleinen Meteoritenbrocken, dem Geschenk eines Sammlers. Jan betitelte den Altar als ,,Altar, nicht von dieser Welt". Der Abstieg gestaltete sich durch den unerwartet steinigen Weg etwas mühsam; wir kamen jedoch alle heil herunter. Dass dies nicht die letzte Wanderung auf den geliebten Hügel war, ahnte niemand.

Pfingstmontag ist in Polen kein Feiertag, an dem die Geschäfte geschlossen haben, und somit konnten wir unseren zweiten vollen Tag nutzen, um uns Szczyrk anzusehen. Wir besuchten den erstaunlich preiswerten Supermarkt, kauften unsere Rucksäcke voll und probierten lauter Dinge, von denen wir nur durch Bilder erahnen konnten, was denn überhaupt drin war. Dass die Stadt auf Wintertourismus ausgelegt ist, war deutlich zu sehen. Trotzdem hatten wir einen sehr schönen Nachmittag, besichtigten eine Kirche, die komplett aus Holz gebaut war, und lernten, wie man sich fachgerecht vor der Kamera präsentiert. Abends amüsierten wir uns prächtig im lmprotheater, wo wir alle in die verschiedensten Rollen schlüpfen konnten.

Am Dienstag stand der erste von zwei großen, tagesfüllenden Programmpunkten auf dem Plan. Der Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Auschwitz. Leider kam es im Vorfeld zu vermutlich u.a. politisch bedingten Komplikationen, und so konnten wir nicht das Museum im ehemaligen Lager Auschwitz I besuchen. Das Lager Auschwitz 11-Birkenau ist jedoch als UNESCO-Weltkulturerbe kostenlos zu besichtigen. Für uns alle war es nur schwer zu begreifen, wie schrecklich dieser Ort vor 77 Jahren gewesen sein muss. Ruhig in Gedanken oder in kleinen Gruppen im Gespräch gingen wir über das Gelände. Eine gut erhaltene Baracke konnte man besichtigen, die uns einen erschreckend detaillierten Einblick gab. Für uns alle war es aber eine sehr wichtige Erfahrung, gerade weil wir dieses Thema schon im Geschichtsunterricht behandelt hatten und jetzt alles in echt sehen konnten. Trotzdem waren die Gefühle über die Art und Weise des Dokuzentrums gemischt. Wir in Deutschland lernen einen anderen Umgang mit der NS-Vergangenheit als die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau vermittelt. Die Botschaft, dass solche Verbrechen nie wieder passieren dürfen, wurde von dem dortigen Dokuzentrum nicht so sehr vermittelt. Die Kommerzialisierung war trotz der tragischen Geschehnisse leider sehr deutlich zu sehen.

Der Mittwoch begann wieder entspannter. Vormittags stand eine Bibelarbeit auf dem Programm, die wir wie montags auch in den jeweiligen Jugendkreisen besprachen. Wir diskutierten über Gerechtigkeit, Kirchensteuer, Spendenbereitschaft und -verpflichtung. Auch startete an diesem Tag ein Spiel, welches uns von nun an die ganze Zeit begleiten sollte. Das sogenannte ,,Mörder-Spiel", bei dem man einer gelosten Person einen Gegenstand geben muss. Das führte zu sehr amüsanten Situationen; man konnte außerhalb der Essenszeit keinem trauen, der nicht schon ausgeschieden war. Entscheiden sollte sich das Spiel am Freitag. Mittwochnachmittag hatte Julia mit uns ein Land-Art-Projekt vor. Diese zweite Wanderung auf den allseits beliebten Hausberg rief keine große Begeisterung hervor, denn wegen der hohen Temperaturen und der Steigung war der Aufstieg recht anstrengend. jedoch hatten wir oben im Wald wundervolle Ideen, und unsere kleine ,,Vernissage" bot regelrechte Kunstwerke, von denen man in hochgelobten Museen schon weniger aufwändige sah.

Donnerstag stand der zweite große Programmpunkt auf dem Plan. Für viele das Highlight: Es ging auf nach Krakau! Bergauf, bergab über polnische Landstraßen kamen wir am (gefühlt) heißesten Tag der Woche in Krakau an und strömten in kleinen Gruppen in die Stadt. Die Touri-Hotspots ließen wir natürlich nicht aus. Den Wawel, die Tuchhallen und die Weichsel besuchten wir alle. Ein weiteres begehrtes Ziel waren sog. ,,Milchbars", in denen man preiswerte Mahlzeiten bekommt. Leider war die, welche meine Gruppe besuchte, so voll, dass wir keinen Platz bekamen. Anschauen konnten wir sie natürlich trotzdem. Gestärkt ging's nach dem Mittagessen weiter durch die Innenstadt. Shoppen und Sightseeing waren angesagt. Wir liefen durch den Parkring, der die Innenstadt umschließt, und bestaunten die schönen Universitäts- und Kirchengebäude. Kirchen gibt es in Krakau übrigens sehr viele. An nahezu jeder Ecke findet man eine Kirche, Kapelle oder einen Altar, die meisten natürlich katholisch. Als letzten Punkt besuchten wir noch das jüdische Viertel, das sehr alt und dazu recht gut erhalten ist. An diesem Tag sahen wir eine wunderschöne Stadt und fielen nach der Heimreise todmüde ins Bett.

Freitagvormittag war wieder Bibelarbeit angesagt. Thema war die Offenbarung und ein Stück weit Eschatologie. Nach dieser sehr interessanten Stunde ging es zum Mittagessen und in einen entspannten Nachmittag. Wir durften ihn frei gestalten; wer wollte, konnte in die Stadt nach Szczyrk, und durch eine spontane Idee von Matthias leisteten wir einen Beitrag zum Umweltschutz, indem wir einen kleinen Gebirgssee vom Müll befreiten. Einige mutige Mädchen und Jungen schwammen sogar ein paar Runden und trotzten der eisigen Temperatur des kristallklaren Quellwassers. Koffer packen sollten wir zwar auch, das wurde von den meisten jedoch, so gut es ging, aufgeschoben, denn es macht natürlich viel mehr Spaß, mit allen zusammen eine Runde Werwolf zu spielen oder sich die Zeit mit vielen anderen Gesellschaftsspielen zu vertreiben. Gespielt wurde auf dieser Freizeit sehr viel. ln jeder freien Minute sah man Leute Schafkopf, Mau-Mau oder etwas anderes spielen. Abends war Zeit für ausgedehntere Spiele, bei denen der Kopf mehr gefordert wurde als in so mancher Schulstunde. Trotz Ferien!

Samstag war dann auch schon der große Tag der Heimfahrt. Wir saßen alle im Bus und winkten. Auf uns warteten 10 Stunden Autobahn nach Hause. Es war eine sehr tolle Freizeit, bei der wir zusammen sehr viel Spaß beim Spielen und Erkunden von Natur und Stadt hatten. Diskutiert wurde natürlich innerhalb und außerhalb der Bibelarbeiten auch viel. Es war eine wunderbare Woche in Polen, die allen Beteiligten sicher nur positiv in Erinnerung bleibt. Auch Leute, die mit dem CVJM noch nicht viel zu tun hatten, entweder noch gar nicht dabei waren oder erst seit kurzem in einer Gruppe sind, lebten sich sehr gut ein. Eine von ihnen gewann sogar das ,,Mörder-Spiel"! Gedanken und Wünsche für die nächste Freizeit werden schon fleißig gesammelt, und wir freuen uns sehr, bald wieder zusammen wegzufahren.